Das Dorf La Roque Gageac

la-roque-gageac-7La Roque-Gageac ist ein sehr altes, ebenso geschichtsträchtiges wie geheimnisvolles Dorf. An diesem wunderschönen Ort am Fuße einer steilen Felswand, die „jeden Moment in den Fluss zu fallen droht“, siedelten bereits in der Urgeschichte Menschen. Von der gallorömischen Epoche sind bis heute Überreste einer alten Römerstraße und des Standorts einer Villa ebenso wie ein Brunnen in perfektem Zustand erhalten geblieben. Um das Jahr 849 herum kamen die Normannen ins Périgord und ließen sich in der Region nieder. Von der Zeit der Wikinger-Einfälle, die mit ihren Drakkar-Booten die Dordogne hinauf kamen, zeugen alte Befestigungsanlagen, die von den Bewohnern in den Felsen errichtet wurden, um sich vor den Angreifern zu schützen. Die Überreste von Schutzmauern und befestigten Behausungen belegen, dass La Roque-Gageac damals eine regelrechte Festung gewesen ist. Eine Festung, die den Machtkämpfen zwischen den Kapetingern und Plantagenets (englischen und französischen Königshäusern) erfolgreich standhielt… man kam nur über die wenigen Tore der Wallanlage ins Dorf hinein. La Roque-Gageac unterstand viele Jahre dem Abt von Sarlat und schließlich dem Bischof von Sarlat. Allerdings befand sich die Pfarrkirche des Ortes lange Zeit im 1,5 km entfernten Saint Donat, denn in La Roque-Gageac gab es bis Anfang des 14. Jh. – als der Bischof von Sarlat aus Sicherheitsgründen hier seine Zweitresidenz einrichtete – nur eine einfache Kapelle. la-roque-gageac-3Die nunmehr bischöfliche Stadt zog Bürgerliche und Adelige an, Wohlhabende, Literaten und Gelehrte ließen sich nun hier nieder. Das Städtchen blieb vom Hundertjährigen Krieg weitgehend verschont und als zu Beginn der Renaissance der Frieden zurückgekehrt war, machte sie sich so richtig schön heraus mit hübschen Spitzdächern, Fenstern anstelle von Schießscharten… ganz im Stil der Zeit. Aus dieser Epoche sind einige Ruinen und Überreste des Palais der Bischöfe, das Höhlenfort und die Befestigungsanlagen erhalten geblieben, die 1662 verstärkt und Anfang des 18. Jh. wieder entfernt wurden, ebenso wie einige befestigte Herrenhäuser wie das Manoir de Tarde, das bis heute majestätisch über dem Ort thront. Jean Tarde, gebildeter Kleriker und einer der berühmtesten Persönlichkeiten der Region, der um 1561/62 in La Roque-Gageac geboren wurde, lieferte mit seinen „Chroniken“ einen wichtige Beitrag für die mittelalterliche Geschichtsschreibung des Ortes. Tarde war gleichzeitig ein berühmter Astronom, Philosoph, Mathematiker, Archäologe, Theologe und Historiker, und fungierte zudem als „Theologaler Kanoniker“ (Verteidiger des kirchlichen Dogmas) und Generalvikar des Bischofs von Sarlat. Im Zuge seiner Mission, eine Bestandsaufnahme aller Gemeinden durchzuführen, fertigte er eine detaillierte Landkarte der Region an, die bis heute zusammen mit seinen „Chroniken“ als eine der wichtigsten historischen Quellen des Ortes und der Umgebung dient. Von einer seiner Reisen nach Rom brachte er ein Teleskop mit, das ihm Galileo Galilei geschenkt hatte. Damit konnte er die Theorie von Kopernikus untermauern, nach der die Erde sich um die eigene Achse dreht und zudem wie die anderen Planeten um die Sonne bewegt. Diese Theorie wurde allerdings von der Kirche kategorisch abgelehnt und Tarde musste ihr vor dem Inquisitionsgericht abschwören. Jean de Tarde starb im Jahre 1636.

jardin-exotiqueAls der legendäre Hugenottenführer und Landesfürst von Doissac Geoffroy de Vivans im Jahre 1589 nach La Roque-Gageac kam, begannen das bischöfliche Schloss und einige der Herrenhäuser schon etwas herunterzukommen bzw. standen gar leer. Letztendlich wurde das Dorf vom Bischof an einen Adeligen, den Herrn von Salignac verkauft. Während der Zeit der Fronde-Aufstände hielten die Einwohner den Angriffen von Marsin, eines Leutnants des Prince de Condé trotz des schlechten Zustands der Stadtmauer stand. Zu Zeiten Ludwigs des XIV. verlieh das Edikt über die Fischereirechte aus dem Jahre 1669 dem König das Eigentum an dem Fluss und begünstigte die Binnenschifffahrt gegenüber der Fischerei. Nach der Revolution nimmt die Bedeutung der Flussschifffahrt immer weiter zu und entwickelt sich La Roque Gageac zu einem wichtigen Hafen. Die Funktion als Zufluchtstätte in Kriegszeiten spielt kaum noch eine Rolle, stattdessen lebt das Dorf im Wesentlichen vom Handel und der Fischerei. Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Ende der alten „Gabare“ Holzlastschiffe ging es für La Roque Gageac rasch wieder bergauf… bis es im Januar 1957 zu einem tragischen Unglück kam, bei dem sich ein 5000 bis 6000 m3 großer Gesteinsblock von der Felswand löste und ein Dutzend Häuser unter sich begrub, dabei kamen 3 Menschen ums Leben und in der Folge war die Straße mehrere Jahre gesperrt. Die Ablösung des Felsblocks ist auf das Auflösen von Kalkspat (Kalziumkarbonat – ein Mineral, das sich bereits in saurem Wasser löst) zurückzuführen. La Roque Gageac kam daher die schwere Aufgabe zu, sich „ein neues Gesicht“ zu erschaffen, das aber auch seiner Vergangenheit Rechnung trägt, was dem Ort sehr gut gelang und schon bald den Titel „Schönstes Dorf Frankreichs“ einbrachte. Das Dorf gehört heute nach dem Mont-Saint-Michel und Rocamadour zu den meistbesuchten denkmalgeschützten Orten in Frankreich.

Das zwischen Felswand und Fluss eingezwängte Dorf besitzt ein besonders mildes Klima, das die Anlage eines exotischen Gartens ermöglichte. Dieser auf Initiative von Herrn Gérard Dorin ins Leben gerufene Garten profitiert von einer sonnenverwöhnten, geschützten Lage, an der mediterrane Gewächse wie Palmen, Bananenstauden, Lorbeer, Bougainvillea, Granatapfel-, Orangen- und Zitronenbäume bestens gedeihen. Der Besuch des Gartens ist kostenlos. .

Das Chateau de la Malartrie

chateau-malartrie-illustrationAm Ortsausgang von La Roque Gageac trifft man flussabwärts auf ein reizendes Schlösschen, das die Familie Saint-Aulaire, eine illustere Diplomatenfamilie aus dem Periord, in den 1920er Jahren errichten ließ. Dieses im neoklassischen Stil errichtete Bauwerk erinnert an den Renaissance-Stil des 16. Jh. und wurde vom Architekten Laffilée im Auftrag von Herrn Saint-Aulaire, seines Amts französischer Botschafter, entworfen. Das Ergebnis wirkt beeindruckend echt. Die Steine haben bereits eine so wunderschöne Patina und fügen sich farblich so perfekt vor die rötliche Felswand, dass nicht eingeweihte Betrachter überzeugt sind, ein historisches Bauwerk vor sich zu haben. Bewundern Sie den rechteckigen Turm mit seinen Maschikulis, sowie die hübschen Rundtürme und Fensteröffnungen.

Privacy Preference Center

Techniques

Cookie : phpsessid
Nom : PHP Session Id
Durée de stockage : session utilisateur
Fonction du cookie : Stocker les données de navigation permettant le passage d’une page à l’autre sans perte d’information. Ce cookie ne sert qu’au bon fonctionnement du site.

Cookie : wordpress_test_cookie
Nom : WordPress test cookie
Durée de stockage : session utilisateur
Fonction du cookie : Un test de performance effectué par le site afin de vérifier si vous avez vos cookies d’activés

Cookie : GPDR
Nom : GDPR
Durée de stockage :
Fonction du cookie : Mémoriser votre choix et vos préférences de cookies pour ce site.

Cookie : icl_current_language
Nom : Current language
Durée de stockage :
Fonction du cookie : Mémoriser votre version linguistique

PHPSESSID, wordpress_test_cookie, gdpr[consent_types], gdpr[allowed_cookies], icl_current_language

Advertising

Analytics

Other